Bewertungsportale – Ärzte, Rechtsanwälte, Lehrer, Professoren, Arbeitgeber

Bewertungsportale – User bewerten nach Produkten nun verstärkt Dienstleistungen von Ärzten, Rechtsanwälten und Leistungen von Lehrern, Professoren, Arbeitgebern und anderen Mitmenschen.

Trend: Von der Selbstdarstellung zur Kritik an anderen
Wo hat man sich das erste Mal über einen anderen Menschen aufgeregt? Zuhause! Über die Geschwister, die Eltern, Tanten oder Großeltern – diese Erfahrungen sind aber anscheinend dem aktuellen Durchschnitts-User in Internet-Communities doch ein Stück zu persönlich. Deshalb waren die Pioniere der Bewertungsplattformen für Menschen Schüler- und Studentenportale wie spickmich und meinprof.de. Denn auch diese Art von Community-Portale sind ich-bezogen und brauchen einen persönlichen Anstoß.

Bewertungsportale für Lehrer und Studenten
spickmich ist das bekannteste Schülernetzwerk Deutschlands und Gesprächsthema Nummer eins auf den Pausenhöfen. Auf www.spickmich.de legen Schüler ein eigenes Profil an und können ihren Lehrern und Schulen online Noten geben und ihnen Zeugnisse ausstellen. Bei meinprof.de können Studierende bundesweit anhand von 7 Kriterien bewerten Fairness, Unterstützung, Material, Verständlichkeit, Spaß, Interesse und Verhältnis Note/Aufwand. Zudem ist hier die Abgabe einer allgemeinen Empfehlung und eines Kommentars möglich. Es erfolgt die Berechnung der Durchschnittsnoten für einen Kurs und den Professor. Auf landes- und deutschlandweiten
Top/Flop-Listen werden Dozenten, Kurse und Unis gerankt.

Bewertungsportale für Arbeitgeber
Die nächste wichtige Rolle im Abgrenzungsprozess zwischen ich und Über-ich neuzeitlicher User spielen die Arbeitgeber. Konsequent launchten daher jobvoting.deund kununu.com (Kisuaheli: „unbeschriebenes Blatt“) Hier bewerten User neben den Chraktereigenschaften des Chefs in Person, auch Teampolicy und Karrierechancen, Familienfreundlichkeit und betriebliche Altersvorsorge, sowie Parkplatzsituation und Pausenregelungen.

Bewertungsportale für Ärzte und Dienstleister
Kennst Du einen guten Augenarzt? Das fragt man gewöhnlich Menschen, die schon länger in der betreffenden Umgebung wohnen. Imedo, Helpster, Arzt-Auskunft.de, Aerzte-Bewerten.de, DocInsider oder NetDoktor bieten hier den gesammelten Rat. Nutzer geben zumeist über eine Suchmaske Postleitzahl und gewünschte Fachrichtung ein und finden so Mediziner in ihrer Umgebung mit den entsprechenden Bewertungen.
Helpster unterscheidet bei den Tipps nach fachlichen und persönlichen Werten und setzt auf Kommentare. Bei DocInsider vergeben die Nutzer Sterne – für die Ausstattung der Praxis, das Vertrauensverhältnis zum Arzt, die Freundlichkeit der Mitarbeiter oder die Wartezeit. Auf Imedo sind Kommentare nicht möglich, dafür werden hier auch Softskills wie Terminverfügbarkeit, Pünktlichkeit oder Freundlichkeit zur Bewertung herangezogen.
KennstDuEinen.de ist nicht speziell sondern bietet alle Dienstleistungen konsolidiert an.

Zielrichtung der Information und juristische Probleme
In Kritik geraten und mehrfach juristisch überprüft wurden die Schüler- und Studentenportale und die dort veröffentlichten Bewertungen von Lehrkräften und Ihren Leistungen. Bisher hielten die Verteidigungen allen Klagen stand. Hier steht immer die freie Meinungsäußerung dem Persönlichkeitsschutz gegenüber. Soweit die fachliche Arbeit bewertet wird, wird die Meinungsfreiheit die Oberhand behalten. Auch wenn hier eine neue Strategie von Datenschützern ein „berechtigtes Interesse“ an der Veröffentlichung verlangt, wird dies allenfalls kleine Kreise von Betroffenen wie z.B. Lehrkräfte schützen können, da hier wirklich nur zum Beispiel die Schüler der Schule ein Interesse an der Bewertung haben, an der der bewertete Lehrer unterrichtet und nicht die Allgemeinheit. Der Austausch über die Leistungen eines Allgemeinmediziners und anderer ist genau so wie der über die Produkteigenschaften eines Wirtschaftsguts wichtig für alle Verbraucher und daher durch das Recht auf freie Meinungsäußerung geschützt.

Eignung als Entscheidungshile / Qualität der Bewertungen

In der Praxis liegt hier häufig genau das Problem: Wie will der Patient oder Mandant die fachliche Arbeit bewerten ohne selbst Mediziner und Rechtsanwalt zu sein. So stehen häufig Ausstattung der Röumlichkeiten, Lage und Erreichbarkeit sowie Charaktereigenschaften der Dienstleister im Vordergrund. Diese Bewertung der Softskills ist aber immer subjektiv gefärbt und so bedingt als wirkliche Entscheidungshilfe geeignet.
Wie alle Bewertungsportale auch aus dem Produktbereich (z.B. www.decido.de) steht und fällt die Qualität zudem mit der Anzahl der Bewertungen. Die Empfehlung eines Zahnmediziners von genau einem Patienten kann dem User nur in 50% der Fälle weiterhelfen – eine echte Entscheidungshilfe ist das nicht. Gut bediente Kunden nehmen sich häufig nicht die Zeit, die Beratungsleistung oder Behandlung zu bewerten – wenn sie nicht von den Dienstleistern selbst dazu angehalten werden.
Ärzte kritisieren die Systeme obwohl die meisten Urteile positiv sind. «Bei den deutschen Portalen werden zu viele emotionale Faktoren, aber zu wenige harte Fakten abgefragt», sagt Prof. Günter Ollenschläger vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) in Berlin in einer DPA-Meldung.

Ausblick / Onlinemarketing für Ärzte, Anwälte und Dienstleister
In einer vom Staat hochgradig regulierten europäischen Welt müsste eigentlich eine Lust am Bewerten von staatlichem Handeln durch Beamte einen Heidenspaß sein. Google gibt dazu bezeichnender Weiser nur die Besoldungsgruppenliste von ver.di und eine Witzeseite her. Wir sind gespannt was sich auf diesem Markt weiter tut.

Den Dienstleistern sei geraten: Greifen Sie den Trend auf. Bitten Sie Ihre Kunden, die mit der Beratungsleistung zufrieden waren, Sie auf den entsprechenden Portalen zu bewerten und sichern Sie so in jedem Fall eine steigende Zahl von positiven Bewertungen die dann die Bewertungen von weniger zufriedenen Kunden, Patienten, Mandanten und Arbeitnehmern relativieren.

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