Frank Schirrmacher und Sascha Lobo über die Gefahren und Chancen der Informationstechnologie

In dem kürzlich erschienenen Buch „Payback“ beschreibt der „FAZ“-Mitherausgeber Frank Schirrmacher (50) die Gefahren und Chancen der Informationstechnologie aus seiner Sicht In der Szene, in Facebookdiskussionen und auf Twitter werden die Ansichten seit einiger Zeit kontrovers diskutiert.

Tenor ist, die Ansichten Schirrmachers seien nicht mutig genug, statt wegweisend kritisch eher verhalten kritisierend. Computer haben die Welt, in der wir leben, denken und handeln, so nachhaltig verändert wie kaum eine technologische Neuerung seit der Erfindung des Buchdrucks, schreibt Schirrmacher, aber zeigt keine Lösungswege für den konsequenten Umgang mit den Veränderungen auf.


Das Internet und die Informationstechnologie lassen sich nicht aufhalten oder eingrenzen, die Gesellschaft muss philosophische Macht zeigen und Lösungen für die Zukunft finden. Nach der Erfindung des Buchdrucks gab es noch die Allmacht der katholischen Kirche die mit Inquisition versuchte, Gedrucktes dem einfachen Volk vorzuenthalten. Diese Zeiten sind vorbei.
Deutschlands bekanntester Blogger Sascha Lobo (34) setzte die Debatte in der Printausgabe von „DER Spiegel“ fort und analysiert in seiner Erwiderung die Urangst vor Überforderung durch den technischen Fortschritt und den Strukturwandel der Öffentlichkeit in der digitalen Gesellschaft.
Lobo warnt zurecht vor Kulturpessimus und kommt mit der Gegenrede endgültig aus der Ecke des Internetpunks heraus. Im Gegensatz zu Schirrmacher, zeigt Lobo Wege auf mit Informationsflut und Allpräsenz umzugehen,  und entlarvt Schirrmachers „Heizdecken-Kommunikation von alten Männern für alte Männer, die sich gegenseitig bestätigen, dass früher alles besser war“ als Angst vor der Bedrohung alter elitärer Redaktionsstrukturen: „Im virtuellen Raum des Netzes herrschen andere Regeln als in der traditionellen Medienlandschaft. Eben noch wählte eine Redaktion aus, was ihr wichtig erschien; jetzt wird im Internet hochgespült, was ausreichend viele Menschen für interessant halten. Das redaktionsgetriebene Diktat der Relevanz wird ergänzt durch das Diktat der Interessantheit.“

Lobo schreibt: „Lobo schreibt: „Erklären wir den vordigital Geprägten, dass sie herzlich eingeladen sind, teilzuhaben am digitalen Leben. Denn dort spielt es wesentlich weniger eine Rolle, wo jemand ist, ob er schön oder hässlich ist, ob er behindert ist oder alt und ob er über kanadische Gletscher oder französische Lyrik des 19. Jahrhunderts kommunizieren möchte. Ich glaube an die Zivilgesellschaft, an die Kraft der Gemeinschaft und der gegenseitigen Unterstützung.“

Bravo Sascha! – Wir auch.

Sascha Lobos Gegenrede zu Frank Schirrmachers Payback bei Spiegel-Online

Sascha Lobo bei Twitter

Frank Schirrmacher bei Twitter

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Ein Kommentar

  • Die Ausführungen von Frank Schirrmacher in seinem neuen Buch „Payback“ sind durchaus nachvollziehbar und gerade die Informationsüberflutung oder besser das „digitale Hintergrundrauschen“ mit eigentlich irrelevanten Informationen dürfte sicherlich noch für einige Zeit ein Problem bleiben.

    In den nächsten Jahren könnten daher zunehmend Agentensysteme wichtiger werden, die Informationen gemäß der Interessen und Kontakte der Benutzer filtern und alles unwichtige ausblenden. Ganz nach dem Motto „Was ich nicht weiß, …“

    Selbst Google steuert mit der Personalisierung der Suchergebnisse in diese Richtung. Schließlich möchte man irgendwann nicht x-Millionen Ergebnisse präsentieren, sondern DIE Antwort auf die Anfrage des Benutzers.

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