Journalisten schreiben Texte für Print- und Online-Medien, für Leser und Crawler

Bild: Journalist mit Schreibmaschine

Journalisten: Richtige Texte für Print und Online. Geändert hat sich eigentlich nur die Eingabeform

Das Thema Paid Content also bezahlte Inhalte wird heiß diskutiert. Mehr denn zuvor nach dem mit der Frankfurter Rundschau und der Financial Times Deutschland zwei deutsche Zeitungen eingestampft wurden, die im Bereich online sehr gut vertreten waren. In dem Artikel „Wie guter Journalismus überleben kann“ in  „Die Zeit“ geben Zeitungsverleger aufschlussreiche Statements zu der Frage, wie sich denn Print und Online-Texte unterscheiden. Diskutiert wird, was denn genau der  Unterschied sei, zwischen den Angeboten die Redaktionen und Ihre Schreiber online oder auf gedruckten Medien dem Leser bieten. Guter Journalismus erreicht seine Leser – ganz gleich ob online oder über Printmedien. Das ist auch unabhängig von der Frage, ob man über Inhalte oder Content spricht. Wichtig ist die Erkenntnis, dass die Kanäle aus Redaktionssicht keine Rolle spielen dürfen. Gibt es einen Unterschied beim Erstellen der Texte für Print oder Online-Medien?

Texte von Journalisten für Online und Print Stil & Suchmaschinenoptimierung

In der vergangenen Ausgabe der Zeit sagte Stefan Aust, die Verlage haben alle nicht begriffen, dass sie nicht mit Papier sondern mit Inhalten handeln.  Sie schützen das Medium Papier, subventionieren es und betonieren vor allem die Trennung. So schreibt auch Stefan Plöchinger,  mit 35 Jahren der jüngste  Chefredakteuer der Süddeutschen Zeitung, man „brauche Profis in beiden Welten“. Den Rat, Journalisten für beides Fit zu machen hält der Digital Native für einen Irrweg. Es führe zu Nichts, „wenn ein unerfahrener Printkollege sie (Texte) für Suchmaschinen optimiert.  Doch wo genau liegt der Unterschied?

Inhalte von News-Artikel für Online, Print und Suchmaschinen

Einen Artikel so zu schreiben, dass er sowohl den Printleser bedient als auch für die Findbarkeit bei Google sorgt liegt nicht weit auseinander. Ein Text für einen Blog unterscheidet sich fast nicht von einem Text für ein Printmedium – weder mit Blick auf den Leser, noch mit Blick auf die Suchmaschinenoptimierung.

„Klassische Zeitungsartikel“, das habe ich vor mehr als  Jahren beim Berufspraktikum bei der HNA (heute Ippen-Gruppen wie Münchner Merkur, tz u.a.), aber auch schon in der 5. Klasse im Deutschunterricht gelernt haben einen Titel, einen Anrisstext und den eigentlichen Artikel. Nichts anderes geschieht in Online-Blogs. Jedes Content Management System wie zum Beispiel auch WordPress – verlangt einen Titel, einen Teaser-Text und einen Volltext oder ermöglicht das zumindest durch die Einführung. In mehrseitigen Systemen wird mit einem Index oder einer Inhaltsübersicht gearbeitet – online oder i n mobilen Apps ist das eine Navigation.

Der Leser einer Zeitung verhält sich genauso wie der Leser online oder über eine App auf dem Tablet. Er stöbert im Inhaltsverzeichnis, was ihn interessieren könnte. Er sieht  einen News-Titel, der sein Interesse ergreift und liest dann durch den  im Schriftbild hervorgehobenen Anriss-Text. Worte die im Titel auftauchen, sollen – Print wie Online – auch im Teasertext wieder  vorkommen. Stilistisch muss der Text von Titel und Teaser so aufgebaut sein, dass der Leser nun entscheiden kann, ob ihn der gesamte Artikel von 600-800 Wörtern oder mehr  interessiert.

Aufbau von News-Artikel für Online, Print und Suchmaschinen

Auch vom Aufbau her sind Texte für verschiedene Medien durchaus vergleichbar ähnlich. Je nach Layout besteht ein Titel aus 3- 7 Wörtern, die nicht zwingend einen Satz ergeben müssen, wohl aber die Schlagworte enthalten, die auch später im Text vorkommen. Der Teasertext umfasst bei print und online etwa 150 Wörter. Es folgt der eigentliche Artikel, der irgendwo zwischen 200 und 800 Wörtern liegt, wobei 200 Wörter wohl ein Minimum sind, um sinnvolle Inhalte zu bieten, nach oben natürlich keine Beschränkung besteht. Die Länge des Artikels variiert nach Inhalt und Zielgruppe. Dirk Ippen sagt in dem Artikel von Die Zeit „Wir sind hier (mit den Regionalzeitungen) das gedruckte Facebook.“  Auf Facebook werden Text-Längen für Anrisstexte mit weiterführendem Link von 200 Zeichen empfohlen, bei Twitter sind es nur 140 – ähnlich wird in den großen deutschen Boulevardzeitungen mit Zeichen gehaushaltet. Anspruchsvollere Tages- und Wochenzeitungen schreiben wie gute Blogs Beiträge mit etwa 1.000 Wörtern oder mehr.

Texte schreiben Online und Print – Zwischenüberschriften, Aufzählungen, Übersichten

Bei längeren Beiträgen ist es – Print und Online –  für den Leser angenehm und hilfreich mit  Zwischenüberschriften zu arbeiten. Das ermöglicht auch das Querlesen von Artikeln – bei Lesern von Texten gedruckter Zeitungen genauso beliebt wie bei Onlinemagazinen. Für die gute Präsentation von Artikeln und Beiträgen in Zeitschriften und Onlinejournalen werden zu dem Aufzählungen, Übersichten, Diagramme und Bildmaterial verwendet. Bilder haben sinnvolle Bildunterschriften, die dem Leser ermöglichen sie rasch mit dem Kontext in Bezug zu setzen.

Leser, Online-Texte und Suchmaschinen-Crawler

Es ist für Schreiber, Texter, PR-Leute und Journalisten nun sehr wohl möglich, einen Schreibstil für alle Medien zu verwenden. Denn genau wie der Leser funktioniert auch der Crawler einer Suchmaschine. Der Google-Crawler z.B. ist ein ausgeklügelter Lese-Algorithmus – ein Leser-Roboter. Er schaut sich online Seiten an – er liest sich durch die Navigation, nimmt Worte auf, schaut ob die dahinterliegenden Seiten, dem Suchwort entsprechen. Stößt er auf eine Blog-Übersichtsseite wie bei DIE ZEIT / Medien  werden dem Crawler Titel und Anrisstexte präsentiert. Wie das Gehirn des Lesers analysiert der Crawler nun diese Teile. Er hat den Vorteil, dass er – rechnergestützt – in Millisekunden auch den kompletten Artikel hinter dem weiterführenden Link erfassen kann. Mehr noch kann er auch die Struktur erkennen: Welche Schlagworte stehen in Überschriften (H1) und Zwischenüberschriften (H2), worum geht es im darunter folgenden Text. Aus der Analyse der Ergebnisse macht sich der Crawler ein Bild mit der Antwort auf die Frage: Ist dieser Artikel relevant? Hier liegt wohl der Hauptunterschied bei Texten für Suchmaschinen und Leser – Die Suchmaschine weiß sofort (anhand ihres mehr oder minder ausgeprägten Gehirns) ob der Artikel im Verhältnis zum Titel relevant ist. Der Leser eines Artikels – online wie im Print – kann das viel ausdifferenzierter beurteilen, aber erst nach dem er den Artikel gelesen hat. Er kann auch sagen, Teile des Artikels sind relevant, andere waren einfach schön zu lesen und geben wichtige Randinformationen. Der Crawler gibt nur _eine_ Bewertung ab.

Fazit: Texte von Journalisten für Online-Medien und Print-Erzeugnisse

Für das Erstellen eines Artikels macht es aber jedenfalls keinen Unterschied, ob er nachher online oder offline erscheinen soll. Der Leser mag genauso gerne geteasert werden wie der Crawler und er hat auch einen Anspruch an die Lesbarkeit des Textes. Leser mögen dann und wann Zwischenüberschriften, Schachtelsätze machen Texte stilistisch nicht immer besser.  Es gibt Tools, die Worddokumente auf Knopfdruck analysieren und auf komplizierten Satzbau oder mangelnde Keyword-Stringez hinweisen – eventuell muss man da die ein oder andere Headline mal anpassen. Im Großen und Ganzen aber zählt beim Erstellen von guten Texten online wie beim Print:

  • Aussagekräftigen Titel erstellen,
  • Teasertext so schreiben, dass Leser uns Suchmaschinen wissen, was folgt,
  • Artikel mit Zwischenüberschriften und Aufzählungen strukturieren,
  • Auf unnötig komplexe Satzstruktur verzichten,
  • Gegebenenfalls Bilder und Schaubilder untertiteln und benennen.

 

Weitere Informationen zu Texte für Online und Printmedien

Dieser Artikel zum Thema Texte erstellen für „Print und Online-Medien“ hat etwa 1.100 Wörter mit etwa 8.000 Zeichen. Das Bild ist von Fotolia. Autor Tomas Renner Jones. Der Artikel der Zeit ist über die gedruckte Zeitschrift und das ePaper zu erhalten.